Werner Sobek

show me the future I wege in die zukunft
engineering und design von werner sobek

27.05.2004 - 29.08.2004
Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne

"Warum verwendet man heute noch Ziegeldeckung? Weil man es vor Hunderten von Jahren technisch nicht anders konnte, und: weil man zwischenzeitlich nicht bereit war, grundlegend darüber nachzudenken, es anders zu machen." (W. Sobek)

Werner Sobeks Haus R 128 in Stuttgart wurde in kürzester Zeit weit über Fachkreise hinaus zum Begriff für eine Bau- und Wohnform der Zukunft. Die Ausstellung beginnt mit einem Einblick in dieses Haus ohne Energieverbrauch und Emission, ohne Griffe, Schalter oder gemauerte Wände, das mit der Präzision eines Flugzeugs konstruiert wurde, in dem modernste Steuertechniken integriert sind und dessen Materialien wieder entfügt und rezykliert werden können. R 128 ist allerdings keine Demonstration technischer Möglichkeiten, sondern letztlich eine mit höchstem Gestaltungsanspruch vorgetragene Konzeption, die geläufige Vorstellungen vom Bauen und Wohnen revolutioniert.

"Mein Ziel war es immer, herauszufinden, wie die Dinge sein sollten, nicht wie sie sind." Dieses programmatische Bekenntnis erklärt Werner Sobeks Arbeit: nicht im Rückgriff auf vorhandene Formen und Materialien, sondern durch Gestaltentwicklung auf der Basis modernster Technologie und interdisziplinärer Forschung sucht er optimale Lösungen für bautechnische und gestalterische Probleme. Sobek zählt zu den wenigen Ingenieuren und Architekten, die systematisch daran arbeiten, Erkenntnisse der Werkstoffkunde, Möglichkeiten der Nanotechnologie oder der Sensortechnik, die in Automobilbau, Flugzeug- oder Weltraumtechnik Anwendung finden, auch auf das Bauwesen zu übertragen. Denn "nur wer die neuen Techniken und Materialien beherrscht, kann sinnvolle neue Formen schaffen" und dem Bauen "Wege in die Zukunft" weisen. Dazu müssen die Grundlagen des Bauens radikal überprüft und in Frage gestellt werden.

Es geht Werner Sobek aber nicht nur um die Anwendung von Fertigungstechniken von Flugzeugen für Tragwerke oder den Einsatz von Computertechnik für steuerbare Gebäudehüllen, die adaptiv oder selbstregulierend auf Umwelt und Nutzer reagieren, sondern auch um ressourcenschonendes Bauen. Ressourcenschonend bedeutet für ihn, dass für die Konstruktion eines Gebäudes das verwendete Material auf das unbedingt Notwendige minimiert wird, dass ein Bau während seiner Lebenszeit so wenig Energie wie möglich verbraucht, und dass alle eingesetzten Materialien rezyklierbar sind.

In Sobeks Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren der Universität Stuttgart sowie in seinem Architektur- und Ingenieurbüro wird an neuen Techniken, Konstruktionen und Materialien gearbeitet, die dann in seinen Bauten von Chicago über Bangkok bis Shanghai umgesetzt werden. Die Forschungen im Bereich von Tragsystemen, die innovative Verwendung von Glas, Textil oder Titan sowie die Entwicklung sich anpassender oder selbst steuernder Elemente werden in der Ausstellung anschaulich mit Modellen, Werkstücken und Filmen vorgeführt und erläutert. So vermitteln beispielsweise Glasflächen mit veränderbarer Lichtdurchlässigkeit oder eine tragfähige Glaskuppel aus geklebten Segmenten eine Vorstellung von den zukünftigen Möglichkeiten dieses Materials.

Die Forschungen und Projekte Werner Sobeks können auf fünf Leitbegriffe konzentriert werden, denen auch der Aufbau der Ausstellung folgt: Struktur, Adaptivität, Transparenz, Materialität und Design. Fast immer sind die erarbeiteten Lösungen Ergebnis intergralen Zusammenwirkens dieser fünf Bereiche. Ingenieurbaukunst und Architektur verschmelzen bei Werner Sobek zum Engineering, zum Gestaltungsprozess von Elementen auf höchstem technischen und ästhetischem Niveau.

Mit dem derzeit noch in der Entwicklung befindlichen Haus R 129 – einem ortsunabhängigen Wohngebäude mit multifunktionaler geklebter Kunststoff-Fassade und beliebig variierbarem Innenraum – wird abschließend ein Projekt präsentiert, das noch radikaler als R 128 mit herkömmlichen Vorstellungen vom Bauen bricht und völlig neue Wege in eine mögliche Zukunft der Architektur und unserer Lebenswelt weist. Die Ausstellung gibt spannende und allgemein verständliche Einblicke in diese "Wege in die Zukunft" der Architektur und Ingenieurbaukunst.


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Begleitprogramm:
• show me the future - aus den arbeiten
• Haus und Labor im Weltraum - Architektur von Raumstationen
•  Gegenwart und Zukunft aus der Perspektive des Büros Foster und Partner und des Instituts für Baukonstruktion, Universität Stuttgart

Publikationen:
• show me the future I wege in die zukunft engineering und design von werner sobek