Gottfried Semper

Gottfried Semper (1803 - 1879)
Architektur und Wissenschaften

04.06.2003 - 31.08.2003
Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne

Aus Anlass des 200. Geburtstags von Gottfried Semper zeigt das Architekturmuseum der TU München in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich und dem Museum für Gestaltung in Zürich in seinen Räumen in der Pinakothek der Moderne die erste umfassende Retrospektive über Leben und Werk dieses großen Architekten. Anschließend wandert die Ausstellung nach Zürich und wird dort vom 1. November 2003 bis zum 25. Januar 2004 im Museum für Gestaltung zu sehen sein.
Im Rahmen einer Reihe von Würdigungen Sempers, die von einer Sonderbriefmarke bis zu Feiern in der Semperoper reichen, werden die vom Architekturmuseum der Technischen Universität München und dem Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) der ETH Zürich erarbeitete Ausstellung und die umfangreiche Begleitpublikation die zentralen Beiträge liefern. Die Ausstellung steht auch im Rahmen der Veranstaltungen "350 Jahre Oper in München".

Anhand von Zeichnungen, Gemälden, Modellen sowie Schriften und Dokumenten, die von 60 internationalen Leihgebern zur Verfügung gestellt wurden, vermittelt die Ausstellung auf 1000 Quadratmetern Fläche ein anschauliches Bild vom architektonischen "Kosmos" Sempers. Ausstellung und Katalog zeichnen die einzelnen Stationen von Sempers Lebensweg nach, stellen seine wichtigsten Bauten vor und erläutern seine komplexen Theorien zur Kunst und Architektur.

Gottfried Semper, einer der bedeutendsten deutschen Architekten, ging als genialer Entwerfer von Theatergebäuden, als Schöpfer monumentaler Großbauten wie auch als Theoretiker in die Architekturgeschichte ein. Bereits von seinen Zeitgenossen wurde er als "Michelangelo des 19. Jahrhunderts" gerühmt. Wie kein anderer Architekt verband er eine umfangreiche Bautätigkeit mit einem großen theoretischen Werk. Sein Hauptwerk Der Stil bietet die umfassendste Architektur- und Kulturtheorie in deutscher Sprache.

Semper war der Überzeugung, dass ein enger Bezug zwischen Architektur und Natur bestehe und wollte deshalb eine mit der Naturwissenschaft vergleichbare theoretische Grundlage für die Baukunst verschaffen. Ähnlich wie der Paläontologe Georges Cuvier (1769-1832) in seiner Vergleichenden Anatomie alle Lebewesen geordnet und in vier Bereiche klassifiziert hatte, so leitete er die Architektur von einigen Grundelementen ab, die wie das Skelett bei Lebewesen nur noch im Laufe der Geschichte variiert worden seien.

Von besonderer Bedeutung wurde seine Auffassung, dass die Architektur aus ursprünglichen handwerklichen Tätigkeiten, wie Weben oder Flechten entstanden sei. Nach dem von ihm formulierten "Prinzip der Bekleidung" entwickelten sich "Wand" und "Decke" aus dem textilen "Gewand", das im Laufe der Geschichte in andere Materialen übertragen wurde. Diese Trennung zwischen Konstruktion und "Bekleidung" übt seit Otto Wagner und Adolf Loos bis heute einen großen Einfluss auf viele Architekten aus.

Ausstellung und Katalog wurden ermöglicht durch großzügige Unterstützung: Deutsche Forschungsgemeinschaft, ETH Zürich, Ernst von Siemens Kunstfonds, Kantonale Denkmalpflege Zürich, Bund der Freunde der TU München.





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Begleitprogramm:
• Gottfried Semper - Theorie der Praxis
• Gottfried Semper im musikalischen Salon von Hillers in Dresden
• Gottfried Semper - Vorläufer der Moderne?

Publikationen:
• Gottfried Semper (1803 - 1879). Architektur und Wissenschaft