Otto Steidle

Otto Steidle
Land Stadt Haus

20.11.2003 - 21.03.2004
Architekturmuseum der Technischen Universität München in der Pinakothek der Moderne

Der Architekt Otto Steidle ist am 28. Februar 2004 überraschend verstorben.

Otto Steidle war einer der renommiertesten und vielseitigsten Architekten in Deutschland, der mit Bauten für Wohnen und Arbeiten seit Jahrzehnten immer wieder neue Wege aufgezeigt hat. Steidle schafft Stadt- und Wohnräume, in denen sich Individualität und Freiräume entwickeln können. Seine Architektur liefert Angebote zur individuellen, "demokratischen" Besetzung von Räumen. Diese Offenheit spiegelt sich auch in der spontanen und skizzenhaften Art des Zeichnens und Entwerfens.

Im Laufe der Jahre verlagerte sich Steidles Interesse zunehmend von Einzelbauten auf den Zusammenhang mit dem städtischen Kontext. "Nicht das Haus bestimmt die Stadt, sondern die Stadt bestimmt das Haus", entsprechend diesem Leitsatz zielt Steidle auf städtische Bauformen, die aus dem urbanen Zusammenhang entwickelt werden. Die alte städtische Struktur wird von ihm aber nicht als abgeschlossenes Element, sondern als offenes System behandelt, das neue und zukünftige städtische, räumliche oder funktionale Entwicklungen aufnehmen kann. Die Übertragung urbaner Elemente, wie Wege, Höfe und Plätze, auf Wohnanlagen, gemischte Bebauung oder auf eine ganze Universitätsstadt, ermöglicht sowohl die städtebauliche Einbindung als auch die Öffnung von Baugruppen. Steidles Bauten verbinden und sind doch stets neu definiert. Dabei bewahrt er immer seine eigene Handschrift und verfällt nie in anbiedernde Gefälligkeit vor dem Ortstypischen.

Während die Architektur zunehmend eine globale Tendenz zu Hightech und Glas, zu technoider Entmaterialisierung zeigt, sind die Bauten Steidles von Volumen und Material bestimmt. Sie lösen sich nicht auf, simulieren nicht Transparenz, sondern bilden Räume, die Alt und Neu, Öffentlich und Privat umgreifen und doch nicht festlegen. Dieses "unfertige" und gleichzeitig integrative Element ist vielleicht Steidles wichtigster Beitrag zur Erneuerung von Stadt und Haus. Hinter seinen manchmal fast konventionell wirkenden Fassaden verbirgt sich eine enorme Nutzungsvielfalt und die Räume lassen Platz für undefinierte Zwischenzonen, deren Qualität für ihn am besten "den Zusammenhang von Ästhetik und Demokratie" ausdrückt.

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Begleitprogramm:
• Vortrag von Prof. Otto Steidle im Rahmen der Künstlergespräche

Publikationen:
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